Sonntag, Mai 07, 2017

Maksim Reva: Das Leben einem Menschen kaputtmachen - das kann KaPo gut

Dieser Artikel ist eine Übersetzung von hier

Maksim Reva war einer der vier estnischer Bürger, die man in der Organisation der Massenunruhen bei der Umsiedlung der Bronzenen Soldaten beschuldigt hat. Das estnische Gericht har alle vier für unschuldig befunden.

An diesen Tagen erinnert man sich in Estland an die Geschehnisse vor 10 Jahren, als in vielen Städten des Landes, aber besonders in Tallinn, eine Welle der Proteste gegen die Umsiedlung des Monuments des Befreier-Soldaten aus dem Zentrum der Hauptstadt gegeben hat. In diesen Tagen wusste noch niemand was die polizeiliche-politische Aktion auf dem Hügel Tõnismägi bringen wird. Auch die Aktivisten der Bewegung „Ночной Дозор“ (Die Nachtwächter) wussten es nicht, vier von ihnen - Dimitry Klenskij, Dmitrij Linter, Maksim Reva und Mark Syrik - werden angeklagt, drei von ihnen landen hinter Gitter, alle werden gerichtlich belangt und … für unschuldig befunden. Was wurde aus ihrem Leben? Darüber fragten wir Maksim Reva, der jetzt wie Dmitrij Linter und Mark Syrik in Russland lebt.

Wie stark hat sich ihr Leben in diesen Jahren verändert? Was machen Sie momentan?

Das Leben ändert sich, sobald hinter dem Rücken des Menschen sich die Gefängnistür zuschliesst. Und wenn sie wegen ihrer Überzeugen sich schliesst, dann ändert sich nicht nur das Leben, sie ändern sich selbst. Sie stehen vor der Wahl: sich selbst zu verraten, aus diesem Käfig rausspringen und alles wie einen schrecklichen Traum zu vergessen, oder zu kämpfen, selbst wenn die ganze Welt gegen einen ist. Ich habe den Kampf gewählt.

Nach dem Gefängnis zerfiel meine Familie, aber ich bekam einen verlässlichen Freund. Vielleicht wird meine Tochter mir irgendwann die Durchsuchungen und die Verhaftung ihres Vaters in ihrer Kindheit ankreiden, doch bis jetzt bin ich stolz auf sie. Ich denke, dass die Herausforderungen, die uns vor 10 Jahren geschickt wurden, haben ihren Geist gestärkt. Wenn ich irgendwas bedauere, dann die verlorengegangene Sehkraft, die mir nicht erlaubt viel zu arbeiten und zu lesen, aber die moderne Technologien helfen mir sehr.

Ich kann nicht sagen zu meinem Bedauern, doch gegen meinen Willen musste ich nach Russland umziehen. Zuerst war es schwer, Russland unterscheidet sich sehr von Estland. Doch jetzt zähle ich mich als Russländer. Gerade im Gefängnis reifte die Entscheidung die russische Staatsangehörigkeit zu bekommen und das Leben und Schicksal mit Russland zu verbinden.

Ich bin ein selbstständiger Unternehmer, beschäftige mich mit Beratung auf dem finanziellen Gebiet und Polittechnologien. Ich fahre fort mich an Aktionen der Zivilgesellschaft zu beteiligen, helfe Kompatrioten aus dem Baltikum in Russland. Komme häufig nach Estland, bin ein Kommandant der Ehrenwache des „Bronzenen Soldaten“.

Wie stark war der Druck der Regierung nach dem Richterspruch und wie sah der aus?

Die KaPo versteht es das Leben eines Menschen kaputtzumachen: der wirkungsvollste Mechanismus sind Telefonanrufe an den Arbeitgeber oder Geschäftspartner, nach denen, wie Sie verstehen, es weder Arbeit noch Geschäftsbeziehungen gibt. Und da es keine Möglichkeit mehr zu verdienen gibt, muss man wegfahren.

Sind Sie zufrieden mit dem heutigen Leben?

Ja. Ich mag die Zeiten in denen wir leben. Sie sind sehr revolutionär, die Technologien ändern sich schnell, die Gesellschaft transformiert sich. Das, was vor fünf Jahren als Science-Fiction galt, ist heute Realität. Doch leider sind diese Transformationen ohne Konflikte, die manchmal sehr blutig sind, nicht zu haben. Und doch: „Selig sei derjenige, der diese Welt in den blutigen Minuten besuchte“ (Zitat aus dem Gedicht Cicero des russischen Dichters Tytschtev, Anm. des Übersetzers)

Halten Sie Kontakt mit den anderen Mitgliedern der sogenannten „Bronzenen Vier“?

Mit Dima Linter sehen wir uns ständig, wenn ich nach Moskau komme. Mit Dimitry Klenski, vielleicht einmal im Jahr und sehr selten mit Mark Syrik.

Wie denken Sie, wurde damals alles richtig gemacht? Was würden Sie anders machen?

Wenn man die damalige Erfahrung des politischen Kampfes der Mitglieder des „Ночной Дозор“ berücksichtigt, wir haben alles gegeben, alles was wir konnten. Jetzt, wenn man die bekommene Erfahrung und die heutige Situation berücksichtigt… Doch, wir sollten nicht darüber nachdenken, wie es heute wäre. Ich wünsche Estland den Frieden und hoffe, dass die estnische Regierung ihre Rückschlüsse aus den 10-jährigen Geschehnissen gezogen hat. Ausserdem, wenn wir auf den Park auf dem Tõnismägi anschauen, der seit 10 Jahren nicht verändert wurde: die Regierung hat bis heute Angst vor dem Ort und was damals geschah.

Wer hat in dieser Geschichte gewonnen und verloren?

Klar hat Ansip gewonnen. Er konnte die Situation ausgezeichnet für sich ausnutzen und aus einem Durchgangs-Premier-Minister wurde er der am längsten im Sitz des Premiers sitzenden Politiker im modernen Estland. Die russische Bevölkerung hat ebenfalls gewonnen, sie bewahrte ihren Stolz und Ehre, indem sie „Nein“ sagte und sich rund ums Denkmal vereinigte, nach seiner Demontage spürte sie ihre Einigkeit.

Die estnische Gesellschaft hat verloren, in ihr bewahrte sich der Bruch zwischen den Russen und den Esten, was deutlich ihre Entwicklung als auch die Entwicklung Estlands im Ganzen bremst. Dabei sind die Geschehnisse der Bronzenen Nacht nicht der Grund für den Bruch, es sind die Folgen von tieferen Problemen, die in das Fundament des estnischen Staates eingelassen sind. Ich spreche über die nationalistische Ausrichtung der Staates, was ein Anachronismus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist.

Der Druck der Regierung dauert auch heutzutage an: Wir wissen alle über die Durchsuchungen an der Grenze, die alle betreffen, die mit den „Nächten“ zu tun hatten, oder an der heutigen Arbeit mit „Kompatrioten“ teilnimmt. Wurden bei Ihnen solche Durchsuchungen durchgeführt, oder wurden sie beobachtet, wenn Sie sich in Estland befinden? Was denken Sie, warum es gemacht wird und wie wollen Sie dagegen ankämpfen?

Die estnische Regierung verhält sich seltsam und dumm: einerseits erzeugen sie tatsächlich Druck, besonders auf diejenigen Aktivisten, Menschenrechtsverteidiger und Journalisten, die in Estland eine andere Meinung als die offizielle über die Geschichte und Politik haben. Andererseits ist dieser Druck nicht fähig, die Bewegung zu unterdrücken, die darauf gerichtet ist, die nationalistische Ausrichtung des Staates und die von diesem Staat erzeugten Menschenrechtsverletzungen und die Verletzungen der Rechte der nationalen Minderheiten zu beenden. Dabei wäre es richtig Estland zu den Standarten einen modernen multikulturellen und multinationalen europäischen Staates heranzuführen.

Ich werde auch an der Grenze durchsucht. Beobachtung? Ich weiss es nicht, ich beachte sie nicht, das ist langweilig und uninteressant.. Ich habe auch ohne sie viele Abenteuer und bunte Erlebnisse in meinem Leben. Auf diesem Level zu kämpfen, auf dem es zur Zeit passiert, das ist eine Verschwendung von Zeit und Geld. Wenn der Druck sich verstärkt, dann wird der Widerstand mehr begründet. Dann schauen wir mal.

Freitag, April 14, 2017

Газовая атака в Сирии - доказательства, теории заговора, факты

Оригинал статьи здесь: http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-die-indizien-die-verschwoerungstheorien-die-fakten-zum-giftgasangriff-a-1143009.html, перевод мой, прошу извинить за грамматические ошибки.

От Фабиан Райнхольд, Кристофера Ройтера и Кристофера Седова

Для США всё ясно: сирийский режим ответствен за газовую атаку на Чан Шайхун. Москва и Дамаск это отрицают, в сети расцветают теории заговора. Посмотрим на факты.

Визит министра иностранных дел США Рекса Тиллерсона в Москву стоит под знаком войны в Сирии. После газовой атаки в Чан Шайхуне 4-ого апреля, когда умерло по крайней мере 87 человек, отношения между США и Россией значительно обострились. Оба государства имеют две совершенно разные версии того, что произошло в прошлый вторник.

Для Вашингтона ясно, что режим Ассада напал на город с нервно-парализующим газом. „Нет сомнения, что сирийский режим ответственен“, сказал министр обороны США Джеймс Маттис. „Очевидно, Путин поддерживает персону, который очень злой человек“, сказал Дональд Трамп о диктаторе Башаре Аль-Асаде. Кремль утверждает, что вещество было распространено, когда сирийский ВВС бомбардировал химическую лабораторию оппозиции.

Прошло более недели после проишествия. Что до сих пор известно о событиях в Чан Шайхуне?

Время проишествия

В 6:30 местного времени, свидетели информировали о нападении с воздуха. В 7.59 местный репортер Мохаммед Саллум ал-Абд загрузил на YouTube видео, которое показывает атаку. Видны несколько больших столбов из дыма и один маленький, несколько в стороне. В субтитрах Абд пишет, что при нападении были применены „ядовитые бомбы“. По высоте солнца можно убедиться, что видео было снято коротко после восхода солнца. В прошлый вторник солнце взошло в Чан Шайхуне приблизительно в 6:15.

Около 10-ти часов местного времени новостные агентства доложили с ссылкой на врачей и гражданских помощников, что при нападении был применён ядовитый газ. Видео жертв с проблемами с дыханием и судорогами уже были в это время в интернете.

Несмотря на эти факты Россия утверждает совсем другую версию: Сирийские ВВС „совершила нападение между 11:30 и 12:30 в восточной части местечка Чан Шайхун на большой лагерь с оружием и военным снаряжением для террористов“, сказал Игорь Конашенков, спикер российского министерства обороны. „На территории этого лагеря находились помещения для производства мин, которые заполнялись химическим оружием“.

Яд был упущен в последствии нападения и стал виновен в смерти людей в Чан Шайхуне, это версия России, которую повторил министр иностранных дел Сирии Валид ал-Муаллем в прошлый четверг. Первое нападение было совершено в 11:30, утверждает министр.

Место преступления

Эта русско-сирийская версия не может быть правдивой и это подтверждается видео из Чан Шайхун. К тому же Россия утверждает, что нападение на химлабораторию было в восточной части города. Люди, которые были убиты ядовитым газом жили на северной окраине города. Именно там находится маленькая воронка, которая видимо была создана снарядом с химическим оружием.


Воронка в Чан Шайхнуне

Карим Шахеен, журналист британской газеты „Гардиан“ посетил Чан Шайхун в день после нападения. Он нашёл вокруг воронки на севере города много неразрушенных домов, в которых были мёртвые люди. И он обнаружил много зернохранилищ и один лагерь, которые были разрушены. Сателитные фотографии показывают, что эти здания были разрушены по крайней мере с февраля 2017ого года. Жители даже рассказали Шахеену, что здания были разрушены пол-года тому назад.

Подтверждено, что в той части Чан Шайхуна, в котором есть жертвы газовой атаки, нет следов, что хоть один дом был бы разрушен в прошлый вторник. Есть только воронка на улице. Время и место, которое назвало министерство обороны России более подходит к второй атаке в прошлый вторник. К обеденному времени бомбардировщики бомбили больницу и центр цивильной обороны. Больница находится на восточном краю Чан Шайхуна. Помощники построили больницу отчасти под землёй, что бы защитить её от нападений с воздуха.

Несмотря на это при нападении с воздуха во вторник утром она была сильно повреждена. Больница находится приблизительно два километра по воздушной линии от того места, где было большинство жертв газовой атаки. Правительство США обвиняет Россию и Сирию в том, что они пытались с помощью нападения на больницу уничтожить следы газовой атаки.

Самолёт

Оппозиция, свидетели и Пентагон сообщают, что газовая атака была осуществлена бомбардировщиком Су-22. Радиоперехватчик оппозиции сообщил что в 6:26 Сухой с паролем Quds 1 стартовал с аэродрома Шайрат у Хомс. После этого стартовал второй бомбардировщик с пилотом с паролем Quds 6. Пилот Quds 1, сбросил яд над Чан Шайхуном.

В 9 часов местного времени локальная Фейсбук страница „Линза на Чан Шайхун и окрестности“ доложила, что „два Сухой-22-самолёта режима Асада“ напали на город с ядовитым газом. Пентагон обнародовал графику, которая показывает курс Су-22, который совершил нападение. На графике видно, что самолёт кружил между 6:37 и 6:43 над Чан Шайхуном.

Сирийский пилот с паролем Quds 1, по свидетельству оппозиции, которая прослушивает радиопередачи ВВС так же был ответствен за газовую атаку на городок Латамне 30–ого марта. Тогда было ранено несколько людей, они показывали симптомы как отравленные зарином.

Пилот

В пятницу шеф генерального штаба сирийской армии Али Абдула Айоуб посетил аэродром Шайрат, несколько часов после того как там взорвались 59 томагавков армии США. Министерство обороны Сирии обнародовало видео на котором видно, как Айоуб поздравляет нескольких солдат.

Фарес Шехаби, верный Ассаду член парламента и шеф сирийского объединения индустрии, сделал пост на Твиттере: Сирийский шеф генерального штаба благодарит пилота Хайтам Хасури за уничтожение муниционного лагеря аль-Каиды в Чан Шайхуне, Идлиб. Сейчас Шеxаби уже удалил свой твит.

Уже в четверг оппозиционная страница „Orient News“ доложила, что Хасоури это пилот с паролем Quds 1, то есть тот пилот, который сбросил яд на Чан Шайхун. Ахмад Рахал, в прежнем генерал бригады сирийских ВВС, идентифицировал для газеты Times человека на фотографиях министерства обороны как Хасоури. Он шеф генерального штаба 50. Бригады сирийских ВВС, которые стационированы в Шайрате. Независимых подтверждений, что Хасоури действительно ответствен за нападение пока ещё нет.

На выходных оппозиция утверждала, что Хасоури стал жертвой бомбового теракта. Так режим хотел убрать самого важного свидетеля нападения. Но это не подтверждается: Во вторник, неделю после воздушного нападения на Чан Шайхун, Quds 1 опять был в воздухе. В 13:43 радиоразведчик перехватил сообщение. Quds 1 подтверждал, что он летит в сторону городка Суран, который находится недалеко от линии фронта между группами Асада и оппозиции в провинции Хама. В 14:55 он вернулся со стороны провинции Дамаск, где он сбросил бомбы обратно на базу. По словам радиоперехватчика в этот вторник у Quds 1 был тот же голос, как и неделю раньше.

Снаряд

До сих пор не ясно, в каком снаряде содержался газ. Если предположить, что все местные свидетели врут, тогда воронка могла произойти от артиллерийской гранаты. Такое оружие имеется у террормилиции Освободительный Фронт Сирии и оппозиции в провинции Идлиб, где находится город. Но даже всю неделю напролёт ни сирийское, но российское правительство не обвиняли Анти-Ассадовские милиции в том, что они сами выстрелили гранату с ядовитым газом с помощью артиллерии на Чан Шайхун, что бы провоцировать вмешательство запада в Сирии.


Воронка с остатками снаряда

Только во вторник Владимир Путин косвенно высказал эту теорию. Российский президент предупредил о будущих „провокациях“ с химическим оружием в Сирии. В Москве есть информация, что к югу от Дамаска „будут распространятся вещества, что-бы обвинить сирийских чиновников, что это их работа“. Не говоря это напрямую Путин предположил, что нападение на Чан Шайхун было инсценировано оппозицией.

Шеф Кремля сравнил нападение США на сирийскую базу Шайрат с нападением США на Ирак 2003. Путин правильно указал, что американцы напали на страну под ложным предлогом, они хотели отнять у режима Саддама Хуссейна ОМП. Но в отличии от тогда, теперь все согласны, что в Чан Шайхуне ОМП было использовано.

Яд

По заверению турецкого министерства здравоохранения которое проверило анализы крови и урина жертв, которые попали в турецкие больницы, без сомнений был применён зарин. Был найден продукт разложения зарина, сказал министр здравоохранения Рецеп Акдаг. Так же Белый Дом доложил, что в пробах был найден зарин. Представители Мировой Здравоохранительной организации (WHO) и Организации за Запрет Химоружия (OPCW) присутствовали при осмотрах трупов. Обе организации огласили, что жертвы по всей вероятности были под влиянием нервного газа. Был ли это зарин или похожие вещество типа табун пока не ясно.

Зарин вообще то не имеет запаха. Несмотря на это некоторые выжившие из Чан Шайхуна доложили о едком запахе. Похожие доклады свидетелей были после применения химоружия на пригороды Дамаска 21. августа 2013. Это могло произойти потому что к зарину были примеси других химикалий. Или запах происходит из основных веществ для производства зарина. После теракта с зарином в метро в Токио в 1995ом или после иракского нападения с химоружием на курдский город Халабаджа 1988, при котором также был применён зарин, выжившие также докладывали о едких запахах.

В сентябре 2013 Ассад обещал уничтожить всё химоружие. Под присмотром OPCW всё официально декларированное химоружие было уничтожено на специальном корабле в Средиземном море - в общем приблизительно 1300 тонн.


Корабль для уничтожения хим-оружия "Cape Ray"

Но: это было только химоружие которое декларировал сам режим Ассада. До этого Дамаск категорически отрицал, что он вообще имеет химоружие. Есть сомнения, вывезла ли Сирия действительно всё химоружие из страны. Инспектора OPCW многократно, например в декабре 2014 или январе 2015, находили следы нервных газов зарин и VX в военной лаборатории в Сирии. Режим не мог ясно объяснить находку, говорилось тогда в кругах исследователей из OPCW. Эксперт по химоружию Джон Гилберт считает, что в Чан Шайхуне было применено приблизительно 20 литров зарина. Пока нет доказательств, что сирийская оппозиция когда нибудь имела зарин или похожие нервные газы. Российская армия обвинила восставших в Алеппо что они применили хлорный газ против сирийской армии. Но доказательств до сих пор нет. OPCW ещё не завершила проверку этих обвинений.

Но производство зарина намного сложнее, чем хлорного газа и зарин нестабильный; обычно перед применением его производят из смеси двух компонентов. Один из них высоко-взрывоопасный и при взрыве был бы большой огненной мяч, если бы в него попала бомба. Этого не было видно после нападения в прошлый вторник.

Теории заговора в сети

Теории заговора распространяются и неделю после нападения. При этом в интернете проявляется интересная сеть тех, кто их распространяет: близкие Ассаду страницы в Ближнем Востоке, интернет-страницы в России и американские форматоры сознания из сцены заговорщиков и новых правых стараются, что бы их вводящие в заблуждение теории распространялись в социальных сетях выходя из этих кругов.

Интересно то, что здесь даже нет разговора о теории российской армии, что после воздушного нападения на амуниционный лагерь, случайно были выпущены ядовитые газы, но о другой истории. Которая может распространяться в сети, так как в ней есть сильная эмоциональная часть: Дети были преднамеренно убиты, что инсценировать атаку газом и использовать это в политических целях.

Началось это в статье в англоязычном блоге Al Masdar News, который принадлежит стороннику Ассада Лейт Абоу Фадел, который регулярно обвиняет оппозицию в преступлениях, которые другие приписывают Ассаду. Там автор Пол Антонопулос сомневается в газовой атаке. Что-то не сходится, пишется осторожно в заголовке. В тексте, который был написан в день проишествия 4-ого апреля, он пишет про „false flag scenario“. Так обозначается операция, которая инсценируется только для того, что бы потом обвинить в ней других. Это странно, что гражданские помощники на месте, так называемые Белые Каски, не носят никакой защитной одежды. Мертвецы могли быть раньше заложниками аль-Каиды.

Так же цитируется твит журналиста из оппозиционного СМИ „Orient News“, в котором ещё за день до нападения анонсируется, что планируется медиальная компания, что-бы документировать сирийские и российские нападения с воздуха, а так же использование химического оружия.

Значит журналист знал раньше о газовой атаке? Не говорится о том что в районе Хама на прошедших неделях было уже несколько маленьких нападений, в которых видимо применялось химоружие. Организация Врачи без Границ предполагают это при атаке на больницу в Латамне 25-ого марта, или при уже упомянутой атаке 30-ого марта.

Хаштэг #syriahoax

Статью на день позже перепечатывает слово в слово известная страница для заговоров „globalresearch.ca“ профессора Михел Хосудовский, который занимается например „военной программой НАТО и США“. Оттуда текст переходит не только к „Russia Today“, но и сторонникам протеста в США, через страницы для заговоров и сеть альтернативных правых

Например на страницу заговора Алекса Джонеса „Infowars“, где перенимаются аргументы и теперь речь идёт „о всех показателях операции false flag“. Здесь обвиняются Белые Шлемы, которые финансируются фондом Джорджа Сороса - одной из любимых целей правых сторонников теорий заговора. Надпись: Группа со связями с Соросом виновна в химической атаке в Сирии.

Те кто знают Джонса не особенно удивлён: Он уже обозначил массовые убийства в школе Санди Хук (2012) и террор атаку на марафон в Бостоне (2013) как ложь. Новость заключается в том, что предвыборная борьба в США, в которой заговоры играли большую роль, дал ему популярность и хорошие связи в Белый Дом.

Джонес и другие начинают распространять их теорию в социальных сетях. В Твиттере хэштэг #syriahoax добрался в прошлый четверг до самых дискутируемых тем - теория не может быть неувиденной для пользователей социальных сетей как Твиттер.

При этом помогают дюжины акаунтов, которые часто используют хэштэг, у которых не ясно, управляются ли они людьми или они social bots, то есть программы, которые выдают себя за людей. Здесь позиционируют себя сторонники теорий заговоров, которые были самым острым оружием Трампа в предвыборной борьбе в сети против утверждений их президента. Эта новая констелляция довольно необычна. Самопризванный глава альтернативных правых Ричард Спенсер поставил под своим именем сирийский флаг.

Белые шлемы как убийцы

Новое обострение история получила на странице теорий заговора „Veterans Today“ от теоретика заговоров и отрицателя холокоста Гордона Даффа - нападение это дело „ЦРУ, аль-Кайды и британских спецслужб“. Трамп приказал сайбер-отряду армии США атаковать сервер вебстраницы, что бы замять эту историю. Это теория заговора в чистейшем виде, но достаточно доверяема для российских страниц. Портал Спутник который был основан государственным агентством Россия Сегодня, показывает на своей немецко-язычной странице на эту статью под надписью: „Шведские врачи: Белые Шлемы убивают детей для фейк-видео газовой атаки“.

Главным свидетелем служит НПО „Шведские врачи за Права Человека“, которые действительно критиковали Белые Шлемы. После репортажа, они высказались, что они не обвиняли Белые Шлемы в инсценировании газовой атаки или в убийстве детей в Чан Шайхуне. Они имели в виду атаку в 2015-ом году.

Спутник переписывают статью через несколько дней. На других страницах как News Front, которая регулярно перепечатывает статьи от Russia Today или Спутник, эту ложь можно ещё прочитать, так же и на „Veterans Today“. Кто хочет, найдёт два источника информации о теории заговора.

Газовая Атака 2013-ого года

В Германии книжный автор Михаил Людерс распространяет сомнения в виновности режима. Он уверяет, что хим-атака на прошлой неделе так же не труд Ассада как и большая атака зарином на пол-дюжины пригородов Дамаска 21-ого августа 2013-ого года


Михаил Людерс

По теории Людерца, с которой он познакомил на ZDF-токшоу с Маркусом Ланцом, всё было совершенно по другому: Не сирийская армия напала на их противников, а турецкие спецслужбы дали радикалам Нусры-фронта зарин. Они использовали этот газ посреди районов с оппозицией. Турецкие журналисты, которые об этом писали были арестованы. Главным свидетелем он признаёт Кана Дюндара, в прошлом шеф-редактор турецкой ежедневной газеты „Cumhuriyet“. Дюндар рассказал о поставке зарина Нусре-фронту и поэтому подвергся преследованиям.

Это звучит интересно и действительно в Турции было поднято обвинение из-за поддержки террористов против Дюндара, которые сбежал в Германию. Но всё остальное - неправда. Расследования, которые между прочих провело OPCW, инспектора которого в 2013-ом после долгих задержек могли расследовать воронки, пришли в трёх темах к однозначным результатам:

Система запуска

Уже в 2012-ом сирийская армия разработала так называемую ракету „Вулкан“, система запуска, которую можно поставить на грузовик, для точного обстрела хим-оружием на короткое расстояние. Раньше огромный сирийский арсенал химоружия был разработан как стратегическое устрашение против Израиля, с боеголовками для ракет Скуд. Но их минимальная траектория полёта не делает возможным нападения против целей, которые находятся на расстоянии нескольких километров. Отравлять собственных соседей тогда не входило в планы.

Хорошо узнаваемая конструкция Вулкан была видна уже в конце 2012-ого и начале 2013-ого на видео и фотографиях военных аэродромов. Это были между прочих эти Вулкан ракеты, которые в августе 2013 транспортировали зарин. Ясно узнаваемые остатки ракет были сфотографированы уже через несколько часов после нападения. У их воронок позже можно было измерить самую высокую концентрацию продуктов распада зарина.

Зарин

в анализированных пробах из места нападения, как и позже в описании об уничтожении сирийского химоружия было найдено необычная концентрация химикалии хексамин. Аке Сельстрём, шведский руководитель исследовательской группы ООН, высказался, что сирийская армия использовало хексамин, как средства для защиты от ржавления, что-бы защитить снаряды от агрессивных кислот, которые часть химического состава зарина. Это химическая сигнатура сирийского зарина.

Масштаб нападения

Утром 21-ого августа 2013 приблизительно 500 литров зарина было почти одновременно распространено над далеко друг от друга находящимся населёнными пунктами, на юго-западе и северо-востоке от Дамаска. По углу падения - в ракетах не было взрывчатки - можно было во многих случаях определить предполагаемое место выстрела, это были места стационирования сирийской армии. К тому же атакированные места уже тогда были в окружении, с местности под названием Гхута на северо-востоке не было доступа к Муадамия на юго-западе. Все проверяемые аспекты ясно показали одного виновного: сирийскую армию. То что это не было ясно написано в конечном отчёте OPCW, было из-за того что Москва и Дамаск согласились на инспекцию ООН и OPCW, только под условием если не будет назван виновник.

Все „альтернативные факты“ не срабатывают, так как Турция не имеет программы химоружия и не имеет зарина, известна система выстрела и Нусра фронт должна была завоевать от армии зарин и Вулкан-ракеты, что-бы их потом применить. Но Дамаск всегда отрицал потерю зарина.

A Кан Дюндар, турецкий экс-редактор? Он опротестовал в „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, что теории Людерса „абсолютный бред“. „Cumhuriyet“ тогда писал, что турецкие полицейские остановили поставку оружия от секретных служб. О контрабанде турецкого зарина или другого химоружия в Сирию, речь тогда не шла.

Sonntag, März 05, 2017

Tommy Cash kommt nach Deutschland

Nach einer Welle von estnischen Musikern, die im Ausland zu gewissen Berühmtheiten wurden, wie Vanilla Ninja oder Kerli, ist es ruhig um Pop-Musik aus Estland geworden. Lediglich Metsatöll touren noch durch Deutschland durch die Hard-Rock Hallen. Doch es könnte sich ändern.

Den Namen Tommy Cash hörte ich zum ersten Mal im Zusammenhang mit Little Big, einer wie die bösen Zungen sagen, russischen Kopie von Die Antwoord (ich finde sie haben sich ziemlich emanzipiert), einer sehr verrückten russischen Rave-Gruppe, Tommy war bei ihrem ersten Video dabei, dass ich von Little Big gesehen habe: Give Me Your Money.

Aus dieser Kooperation hat sich eine Miniserie American Russians mit dem Sänger von LittleBig Ilja Prusykin (Ilych) und Tommy Cash entwickelt

Tommy Cash stammt aus Tallinn aus dem russisch-sprachigen Kopli-Viertel, was schon immer als ziemliches Drecksloch in Tallinn galt. Der Grossvater väterlicherseits war Este, die Grossmutter aus Nizhnij Novgorod, die Mutter Ukrainerin. Im Interview mit VICE erzählt der 1991 geborene, dass er schon immer als Aussenseiter seltsame Musik wie Kanye West (für Estland ist das seltsame Musik) hörte und wohl recht viel Gras dazu rauchte.

Er fing mit HipHop-Tanz an (da hat er seine Tänzerinnen her) und irgendwann auch mit dem Rap. Mit dem Video Leave Me Alone verarbeitet er seine Vergangheit.

Tommy ist ein Perfektionist, seine Texte, seine Musik, seine Videoszenarien macht er selbst und achtet darauf, dass alles klar, sauber, minimalistisch rüberkommt. Die Auftritte werden auch geplant, aber wenn er erst mal vor dem Publikum steht, dann geht es nur noch darum das Publikum zum Rasen zu bringen.

Das neueste Video Winaloto schaffte es sogar in die deutschen Nachrichten, da es etwas zu sexy geraten ist:

Sogar die ARTE hat schon Tommy ein Beitrag gewidmet.

Tommy Cash kommt zu drei Konzerten nach Deutschland: 20.03 Hamburg, Übel & Gefährlich, 21.03, Köln, Luxor, 22.03 München, Backstage. Ich bin natürlich im Urlaub :-(.

Sonntag, Februar 05, 2017

Schön ist es Präsident zu sein

Eigentlich habe ich gedacht, dass ich mit dem ehemaligen estnischen Präsidenten Toomas Hendrik Ilves fertig bin. Leider kommen erst nach seiner Präsidentschaft immer mehr eigentlich schon eklige Details heraus, die nicht nur ein schlechtes Licht auf ihn, sondern auch auf estnischen Staat werfen, denn die Leute fragen sich, wie so was in einem EU-Staat möglich ist.

Ein estnischer Ex-Präsident bekommt nach dem Ausscheiden aus dem Amt bis zu seinem Lebensende eine Rente von 3996 EUR / Monat. Dazu muss man wissen, dass die Durchschnitts-Altersrente in Estland 391,4 EUR beträgt. Die Frau des Präsidenten bekommt 1058 EUR. Dazu muss man wissen, dass der Präsident weniger als ein Jahr mit seiner frisch angetrauten Frau verheiratet war, die zu dem Zeitpunkt 38 Jahre alt war. Also für weniger als ein Jahr Ehefrau eine lebenslange Rente, zumindest solange sie Ehefrau bleibt.

Dazu bekam Ilves eine Kompensation in Höhe von 63.460,80 EUR und Kompensation für nicht verbrauchten Urlaub, ganze 135 Tage. Dabei hat der Präsident 35 Urlaubstage in Jahr, also bekam er drei Jahre zehn Monate Kompensation und zwar in einer Höhe von 31.195,92 EUR. Das Gesetz in Estland besagt, dass jeder Kompensation für nicht genommenen Urlaub haben darf, allerdings nur für die vergangene zwei Jahre. Also wieder eine Extrawurst.

Ein besonderer Kapitel ist sein Stammsitz, Ärma in Süden von Estland. Bevor Ilves Präsident wurde, gewährte ihm EAS (eine Art Businessentwicklungfond) eine Unterstützung in Höhe von 190.292 EUR, um aus dem Gebäudekomplex ein touristisches Zentrum zu machen. Das Geld kam übrigens aus einem Fond der EU-Kommission. Es gab nie einen Touristen in Ärma, nachdem Ilves Präsident wurde, wurde Ärma zu einer Art Regierungssitz auf dem Land, wo Ilves seine Gäste empfing. Nach der Präsidentschaft hatte Ilves es sich anders überlegt und wollte weiterhin keine Touristen bei sich haben. Also müßte er ja eigentlich die Unterstützung zurückzahlen? Wäre er ein Normalsterblicher, dann müßte er das. Doch EAS zahlt aus eigener Kasse, also im Endeffekt aus estnischen Steuern 90% der ursprünglich gewährten Mittel zurück an die EU-Kommission, also fast 152.000 EUR. Denn laut EAS fehlen juristischen Voraussetzungen, um die Mittel beim Ilves einzutreiben. Ilves muss also nichts zurückzahlen, für was das Geld verwendet wurde, steht nicht fest.

Der Hammer kam diese Woche, als die Fernsehsendung „Pealtnägija“ (Zeuge) die Abrechnungen der Geschäftskreditkarte von Ilves bekam und veröffentlichte. Hier sind einige Posten:

- 28-30.04.2011 ein Besuch mit der Ehefrau in München, in Bayerischen Hof - 5414 EUR
- 25-26.11.2013 London, Hotel The Cavendish - 3857 EUR
- 25.11.2013 Londoner Restaurant The Cinnamon Club - 760 EUR
- Juni 2014 Hotel Mandarin Oriental in Prag - 2114 EUR
- 8-11.10.2014 Hotel Madirat Jumeirah in Dubai - 4725 EUR
- 25-28.10.2015 Hotel The Yas Viceroy in Abu Dhabi - 4998 EUR
- 17.11.2015 Hotel Storchen in Zürich - 2861 EUR, Restaurant zum Kropf - 737 EUR
- 18-20.03.2016 ein Besuch mit neuer Ehefrau in Brüssel, Hotel Steigenberger - 6384 EUR
- 14-16.09.2016 ein Besuch mit der Ehefrau in Kanada, Hotel Ritz Carlton - 5666 EUR + einige hundert EUR Restaurantrechnung

Vor einem Jahr besuchte Ilves mit seiner Ehefrau das WEF in Davos. Die Hotelrechnung des Hotels Turm Victor beläuft sich auf 19 285 EUR für vier Tage. Seine zwei Mitarbeiter, die im selben Hotel für denselben Zeitraum waren, zahlten 2285 EUR. Bei Ilves musste es ja auch die Präsidentensuite sein. Nur zur Info, Angela Merkel fährt schon seit zwei Jahren nicht nach Davos.

Dagegen nehmen sich solche Kosten wie für Getränke in Burj Khalifa, Austern-Restaurant in New York, Konzertkarten für seine Lieblingsband Steely Dan (899,58 EUR) und diverse Baumarkteinkäufe wie Kinkerlitzchen aus. Insgesamt wurden in den letzten 9 Monaten des Regierens mehr als 94.000 EUR mit der Kreditkarte ausgegeben. Dabei war in 2011 der Umsatz noch bei bescheidenen 33.000 EUR, doch der Appetit stieg und 2012-2014 waren es schon je 60.000 EUR, 2015 waren es dann 75.000 EUR.

Insgesamt kostet das Präsidentenamt dem estnischen Steuerzahler 4,4 Mio EUR im Jahr. 60 Leute arbeiten Präsidenten zu, der repräsentative Funktion hat. Zum Vergleich ein ein Artikel über die Kosten für den deutschen Bundespräsidenten, die natürlich höher sind, aber nicht dramatisch viel höher.

Delfi.ee schreibt, dass bevor er Präsident Estlands wurde, beschwerte sich Ilves bei den amerikanischen Diplomaten, dass er nicht zum dritten Mal sein Komfortleben opfern und dem estnischen Staat „am Rande der Armut“ dienen möchte.

Samstag, Januar 28, 2017

Die Sternstunde der estnischen Aufklärung

Dieser Artikel über das estnische Aufklärungsdienst erschien in Postimees.

Das Informationsdepartment (Aufklärungsdienst, Anm. des Übersetzers) Estlands beobachtete das Treffen einen Mitglieds der Trump-Mannschaft und einem pro-Putin Mitglied der russländischen Duma in einem der osteuropäischen Länder, schrieb die Zeitung Newsweek mit dem Verweis auf einige Leute, die Bezug zu Geheimdiensten haben.

Trumps Rechtsanwalt Michael Koen behauptete gestern (also am 11. Januar 2017, Anm. des Übersetzers), dass er niemals in Prag gewesen war, Trump fügte hinzu, dass der Wert der veröffentlichen Informationen nur das Wert des Papiers sind, auf dem sie gedruckt waren. Laut den Meinungen der Experten, die mit Postimees sprachen, muss man diese Information mit Vorsicht geniessen, denn die Glaubwürdigkeit einiger Teile bezweifelt werden muss und manche Behauptungen widersprechen den Grundsätzen der Geheimdienste.

Nichtsdestotrotz zeigt die gestrige Rede Trumps auf der gestrigen Pressekonferenz ganz klar, dass zumindest ein Teil der Information von den Geheimdiensten stammt. Das zeigt auch der Artikel in Newsweek, in dem das estnische Informationsdepartment genannt wird. In dem Artikel wird verwiesen, dass das Informationsdepartment einen Bericht für die Regierung erstellte, das Russland die größte Sicherheitsbedrohung für Estland, Lettland und Litauen darstellt, was sicherlich keine Neuigkeit für die lokale Bevölkerung ist.

Im grossen und ganzen, dass das Informationsdepartment solche Operation durchführte, zeigt, dass unsere ausländische Partner unsere Auslandsaufklärung hoch schätzen. Auch zeigt es zweifellos, dass die Mitarbeiter unserer Aufklärung sich dort befinden, wo andere nicht sind, deswegen bittet man sie um Hilfe.

Postimees sprach mit vielen Experten über diese Geschichte, laut deren Einschätzung, begann man die Arbeit des Informationsdepartments wert zu schätzen, nachdem der Konflikt in der Ukraine sich entfachte. Bis zu dieser Zeit blieb Estland, wie auch die anderen baltischen Länder Staaten mit einem Thema: sie können darüber erzählen, was im Osten passiert. Nach den Annexion der Krim, änderte sich das Verhältnis seitens der westlichen Geheimdienste erheblich.

Deswegen ist es nicht ungewöhnlich, dass falls ein Staatsoberhaupt frisches Aufklärungsmaterial über Russland braucht, immer häufiger wird die Information benutzt, über die die Geheimdienste Estlands verfügen. Der Grund dafür ist, dass Estland niemals das Interesse an Russland verloren hat, und unsere Geheimdienste haben Geheimnisse, die die Aufklärungsdienste anderer ausländischer Staaten vielleicht schon aufgeben haben.

Eines der Geheimnisse ist, dass die Geheimdienstler Estlands perfekt und bis zu den kleinsten Nuancen die russische Sprache beherrschen, das gibt ihnen ein Vorteil gegenüber den westlichen Partnern, die ausländischen Agenten können Russisch jahrelang lernen, doch verstehen sie nicht den Slang der Geheimdienstler. Ohne jeden Zweifel haben unsere Aufklärer auch andere Geheimnisse, die andere Dienste nicht haben - beispielsweise was die Armee und die Wirtschaft Russlands angeht.

Man kann behaupten, dass wir sogar vor unseren baltischen Nachbarn einen Vorteil haben, die natürlich mehr Kenntnisse in bestimmten Gebieten der Aufklärung haben können, doch die, wie man munkelt, als Partner eher die nordische Länder und Staaten, die weit weg sind, bevorzugen.

Vermutlich fing das erfolgreiche Informationsdepartment auch selbst an, fleissig Daten auszutauschen. Laut einigen Einschätzungen, kooperiert das Department mit 15-20 ausländischen Aufklärungsagenturen, darunter auch mit CIA.

Ein Zeichen der hohen Wertschätzung ist der Besuch des Leiters der US-Geheimdienste James Clapper in Tallinn Anfang August letzten Jahres. In dieser Zeit fanden die Geschehnisse statt, die im Trump-Dossier erwähnt wurden, doch gibt es keine Verbindung zwischen diesen beiden Ereignissen. Postimees wurde gesagt, dass während des Treffens mit der estnischen Regierung Clapper die Arbeit der Geheimdienste unseres Landes lobte, er erwähnte keine konkrete Geschichten, doch in den Augen des Mannes, der über alle Ereignisse des US-Präsidenten, die Geheimdienste betreffen, bescheid weiss, gab es Mehrdeutigkeit.

Darüber welche die größten Siege in der Arbeit des Informationsdepartments waren, wird die Öffentlichkeit Estlands niemals erfahren, denn dass ist die Arbeit der Geheimdienste. Doch alles was man über die Spitze des Eisberges sagen kann: Das Informationsdepartment spielte eine grosse Rolle bei der Enttarnung von Herman Simm und anderer Landesverräter. Welche es genau war, werden wir niemals erfahren.

Mein Gedankengut als Okkupant

Der Artikel ist eine Übersetzung des Artikels von Nikolay Karaev, den ich für den besten russisch-sprachigen Journalisten in Estland halte.

Ehrlich gesagt haben mich nicht die rituelle politische Tänze rund um die bedingungslose Staatsbürgerschaft, sondern ein ganz anderes, viel kleineres und privates Vorkommnis zum Schreiben dieser Kolumne bewegt.

Zur Menschenliebe nicht fähig

Tänze sind etwas wie ein Ritual. Wissen Sie, es gibt noch diese Orte in Afrika: es versammelt sich ein Haufen von halbnackten Leuten in Bambusröckchen mit Nasenringen, sie fangen an zum Schamanengesang Speere zu schwingen, anständige und unanständige Körperbewegungen zu machen, irgendetwas unverständliches zu schreien und den Anschein zu erwecken, etwas allgemeinnützliches zu tun, für das man sie füttern, tränken und heilen sollte und zwar aus Volksmitteln.

Bei allem Respekt zum Premierminister und den anderen Teilnehmern des Schauspiels, es bleibt ein Schauspiel. Eine Zeremonie von der kaum jemandem heiss oder kalt werden sollte. Man möchte rausgehen und schreien: Vielleicht reicht es mit dem Schwachsinn?

Wir „feiern“ dieses Jahr das zehnte - stellt Euch das nur vor - das zehnte Jubiläum der Bronzenen Nächte. Das 25-jährige Jubiläum des neuen Estlands haben wir schon hinter uns gebracht. Wenn ihr Jungs da oben während der gesamten dieser Zeit es nicht geschafft habt ein hundert tausend Leuten ohne Pass (diejenigen, die gezwungen wurden die russische Staatsbürgerschaft zu nehmen noch nicht mitgezählt) die Staatsbürgerschaft zu geben, warum dann jetzt? Es ist zu spät Borzhomi zu trinken, die Nieren sind schon hin und das schon lange (Borzhomi ist ein Heilwasser gegen Nierenschäden, der Ausdruck bedeutet etwas Gutes zu tun, für das es zu spät ist. Anm. des Übersetzers). Kaum jemand wird jetzt euch wegen dem estnischen Pass lieben. Niemand wird jetzt auch böse sein, dass es ohne eine Prüfung keinen Pass geben wird, noch mehr böse sein, als in den 1990ern oder in 2007. Niemand erwartet von euch Gnade oder, es ist schrecklich zu sagen, Menschenliebe. Alle haben längst verstanden, dass ihr zur Menschenliebe kategorisch, katastrophal nicht fähig seid.

Doch das wichtigste - das allerwichtigste - nichts werdet ihr niemandem geben. Ihr werdet es versprechen, aber ihr werdet es nicht geben. Weil ihr Angst habt den chauvinistischen estnischen Wähler zu verlieren. Denn vor 25, 15, ja sogar vor 10 Jahren hätte man noch was tun können. Jetzt seid ihr die Geiseln der nationalistischen Ideologie, die man bei eurem zumindest verständnisvollem Schweigen ausübte.

Es haben faktisch nur die einzelnen nicht geschwiegen. Aber auch die werden jetzt von euch getreten. Denn der chauvinistische Wähler und seine treuen Politiker-Lautsprecher werden aus allen Ecken schreien: „Die Wölfe! Die Wölfe! Die russischen Wölfe kommen!…“

Wenn man lange auf der Illoyalität rumreitet

Es geschah etwas was man die selbsterfüllende Prophezeiung nennt. Es ist ein interessantes Phänomen, über das die Psychologen gerne erzählen: Wenn eine Vorhersage die Leute dazu bringt sich entsprechend zu verhalten, dann trifft die Vorhersage ein. Wenn man z.B. laut über die Inflation schreit, dann stürmen die Leute die Läden und kaufen massig Waren, die Inflation tritt tatsächlich ein.

In Estland ist es wie auf einem Notenblatt. „Diese Russen! Die sind uns gegenüber illoyal! Sie lieben Russland! Wir geben ihnen keine Pässe, wir geben ihnen keine Bürgerrechte!“ Und voilá: viele Russen, die seinerzeit recht loyal waren und zu Russland ein undifferenziertes Verhältnis hatten (öfters kannten sie es gar nicht, denn sie wurden hier geboren und verbrachten hier ihr ganzes Leben), als sie mit so einem offensichtlichen Signal seitens der estnischen Regierung zusammenstiessen, fingen sie gegenüber dem estnischen Staat an so was wie Antipathie zu empfinden.

Was möchten sie denn befehlen zu empfinden, wenn der Staat dich einfach nicht liebt und kein Ereignis ausläßt, um es klar zu demonstrieren? Schauen wir dich an, wie du bist: ein Arbeiter, ein Lehrer, ein kleiner Selbstständiger, der irgendwann mal keine politischen Ansichten hatte, der wegen des Alters und der Arbeit nicht in der Lage war estnisches selgeks (est. Sprache, Anm. des Übersetzers) zu lernen. Hier bist du, der in Sillamäe, in Narva, in Lasnamäe lebt und du hast keine Freunde unter den Esten, und die Esten beeilen sich nicht mit dir Freundschaft zu schliessen, ja und du hast auch keine Zeit für neue Freunde, denn du hast eine Menge zu tun und die Familie zu ernähren. Hier bist du, der nur möchte, dass man dich in Ruhe läßt…

Und hier ist der Staat, der wie die Heldin bei Tschechow, die, wie sie sich erinnern „einen Hering nahm und mit dessen Schnauze mir in die Fresse zeigte“. Doch anstatt des Herings ist es deine Illoyalität. Du bist der Feind. Offen sagt man das nicht, alle sind politkorrekt bis zu geht nicht mehr, in Europa macht man so was nicht, doch sinngemäß bist du der Feind. Du bist schon dessen schuldig, dass du in der UdSSR geboren wurdest und kein Este bist. Du bist der Okkupant! Oder ein Nachkomme des Okkupanten, also doch ein Okkupant. Die fünfte Kolonne, die Gefahr für die nationale Sicherheit. Du hast nichts dagegen, hier Donezk und Krim zu organisieren. Wir werden dich karikaturieren, wir werden über dein Ghetto lachen, du lebst doch im Ghetto, falls du es nicht weisst, wir werden auf dich runterschauen, und wir werden zum Beispiel den Arzneien keine russische Infoblätter beilegen, denn die russischen Alten sollen ihren Platz kennen. Und juristisch wird es alles korrekt sein.

Doch wage es nicht zu hoffen, wir werden dich nicht in Ruhe lassen. Du musst umformatiert werden! Und es entstehen mehrere fast-wissenschaftliche Schulen, deren Vertreter sich nicht schämend in der Presse diskutieren, wie genau man dich umformatieren soll. Vielleicht nicht mal dich selbst, denn du bist nicht mehr korrigierbar, sondern deine Kinder oder Enkelkinder: lasst uns aus ihnen Esten erschaffen, lasst uns mit ihrer Hilfe unsere Demographie retten, zwingen wir sie auf estnisch zu lernen, anstatt sie in der Schule die Sprache zu lehren, und es ist scheissegal, ob sie Nervenzusammenbruch haben, oder sie sitzenbleiben, dafür werden sie unsere Werte haben, nicht die, die du hast. Also nicht die feindlichen. Hast du verstanden?…

Die Prophezeiung hat sich erfüllt!

Und natürlich, ein heiliges Plätzchen kann nicht leer bleiben: die russländische Regierung, die ihre Aufgaben hat, innere und äussere, die dich überhaupt nichts angehen, sie sehen ausgezeichnet wohin sie schlagen können, wo es weh tut und schlagen genau dorthin. Mit Propaganda. Mit „analytischen“ Sendungen von Puschkow. „Talk-Show“ von Solowjew. „Nachrichten“ von Dmitrij Kisiljev. Deine Wut auf Estland, die durch Estland geboren wurde, wird in die benötigte Kanäle, in das richtige Wertesystem umgeleitet, in dem Putin und Trump rechtens sind, Obama und Gayropa links. Das witzigste daran ist, dass du bei dieser Deutung nur ein Nebenprodukt bist. Das Zielauditorium der zentralen Kanäle in Russland lebt in Russland, das Auditorium wird gelehrt sich zu einen und loyal zu sein, und du…, lassen wir dich auch einen von uns zu sein, uns wird es nicht schaden. Je mehr Hölle, je mehr Binarität, je öfters du in den Begriffen „wir und die“ denkst, desto besser.

Auch in Estland gibt es genügend Befürworter desselben Wertesystems „wir und die“. Nur, was bei den Jungs „wir“ sind, sind bei den anderen Jungs „die“ und umgekehrt. Man sagt, dass schwarz-weisse Brillen das Leben sehr erleichtern: mit dem Kopf braucht man nicht mehr zu denken.

Doch wenn vor 25, 15 oder erst recht vor 10 Jahren die Politiker, diejenigen, die an der Macht waren, die Reformisten, obwohl das System alle Teilnehmer, selbst die Opposition nicht schlecht fütterte, tränkte und heilte, anstatt gegenseitigen Hass anzufachen, ihn löschen würden, wenn damals unter entsprechenden Bedingungen die bedingungslose Staatsbürgerschaft geben würde, die Befürworter des schwarz-weissen Wertesystems würden kaum so eine reiche Ernte einfahren.

Doch unsere Politiker zogen die selbsterfüllende Prophezeiung vor. „Wir geben ihnen keine Pässe, sie sind illoyal!“ Sind sie denn wirklich illoyal? „Lasst uns ein Viertel Jahrhundert warten… Wow, schaut mal, diejenigen ohne die Pässe, schaut mal wie illoyal die sind! Wir haben alles richtig gemacht, alles richtig!“ Wie man in dem Film „Klassik“ sagte: „Eine sehr schöne Kombination…“

Angenommene Fremde und was tun mit ihnen

Aus der Sicht der Psychologie ist der Prozent der Radikalen in jedem Volk ungefähr ähnlich und schwankt in der Abhängigkeit von der allgemeinen Anspannung. Einen Teil der Russen in Estland machte die Regierung mit dem schweigenden Einverständnis des Volkes zu Radikalen (auf beiden Seiten der schwarz-weissen Front). Nicht alle natürlich. Viele haben mehr schlecht als recht die Sprache gelernt und die Prüfung abgelegt, was nicht heisst, dass sie „eine Seite annahmen“ oder „alles vergaßen“. Viele, wie auch in Russland, tauchten in ihr Privatleben ein und wollen gar nicht wissen, welche Spielchen auf unserem politischen Himmel gespielt werden. Ich würde gar nicht dem schweigenden Volk die Schuld geben, der den Reformisten erlaubte so viele Jahre das Land in einem Zustand der Spaltung gehalten zu haben. Das Volk ist immer schweigend, das kann man auch psychologisch erklären.

Es ist belustigend jetzt die Tänze rund um die bedingungslose Staatsbürgerschaft zu beobachten. Alle verstehen, dass nichts passieren wird. Es ist auch egal. Ein Viertel Jahrhundert sind nicht die vierzig Jahre die Moses die Juden in der Wüste rumführte, doch auch das reicht schon für ein Paradigmenwechsel aus. In 25 Jahren konnte man viel über die Jungs verstehen, die dort oben sitzen. Besonders, wenn die Jungs, die da oben sitzen, es auf jede Weise unterstützen.

Es ist nicht verwunderlich, dass weiterhin es mehr Gründe geben wird die bedingungslose Staatsbürgerschaft zu untergraben. „Ach, die russischen Alten können kein Estnisch lernen? Doch vor 25 Jahren waren sie nicht alt!…“ Richtig, doch zu denjenigen, die vor 25 Jahren alt waren, habt ihr euch genauso verhalten. Es ist keine Frage des Alters. Es ist keine Frage der Sprache. Die Sprache war immer ein Vorwand: mit ihr ist es am einfachsten die angenommenen Fremde zu identifizieren. Doch in einem chauvinistischem Wertesystem bleibt der Mensch ein Fremder und Feind, selbst wenn er in deiner Sprache spricht und mit dem richtigen Pass rumläuft.

Und sagen sie mir nicht, dass die Vertreter einen kleinen Volkes keine Chauvinisten sein können, dass es immer das Schicksal einen grossen Volkes sei. Erstens sind in Estland die Russen eine nationale Minderheit, das Mehrheitsvolk sind die Esten. Zweitens, die Suche nach dem Feind aufgrund der ethischen Zugehörigkeit kann jeder Vertreter eines Volkes ausüben, das hängt nicht von der nationalen Identität ab, sondern vom Inhalt des Hirns und Herzens. Und sagt mir nichts über die Geschichte. Die Geschichte geschah all diese 25 Jahre, tagtäglich, und für jeden lokalen Russen ist das eine viel wichtigere Geschichte, als die längst vergangene Sowjetunion.

Es ist so: die Chauvinisten wollen einfach nur die Fremden nicht neben sich sehen - und erklären sie schon mal zu Feinden. Und die Prophezeiung fängt sich selbst zu erfüllen an: Die Sprachfremde fangen an die Chauvinisten als auch die, die sie schweigend unterstützen, schief anzuschauen. Bitte zum Tisch, die Spaltung in der Gesellschaft ist fertig. Alles was man braucht ist es zu den angenommenen Fremden sich schlechter zu verhalten, wie zu den Seinen, zweieinhalb Jahrzehnte lang. Und dann einmal kommt in das Facebook der Abgeordneten des Europaparlaments Yana Toom der Historiker Lauri Vahrte und fängt an auf den Fingern zu erklären, warum die bedingungslose Variante gar nicht geht: „Die Vergrößerung der Anzahl der Bürger, die feindlich (belustigend, arrogant und so weiter) sich zu der Estnischen Republik verhalten, ist nicht im Interesse der Estnischen Republik…“

Darauf widerspricht ein Nikolay Karaev Vahtre (auf Estnisch), dass das ein vorurteilsbehafteter Chauvinismus sei und die „Argumente“ über die Einbürgerung auch: Einbürgerung ist für die Einwanderer, derjenige, der hier geboren wurde und sein ganzes Leben lebt, ist kein Immigrant und der Staat ist einfach verpflichtet ihm alle Bürgerrechte zu geben.

Darauf antwortet Vahtre, dass über die Rechte „ein Okkupant brüllt“, das Karaev ein „Gedankengut eines Okkupanten“ hätte.

Ja, es ist ein kleiner Streit im sozialen Netzwerk. Doch in diesem Streit spiegelten sich die ganzen vergangene 25 Jahre wider. Niemand hat behauptet, dass es einfach wird.

Dienstag, Januar 10, 2017

Stallgeruch - Porträt des gemeinen Propagandisten

Dieser Artikel ist im Moskauer Carnegie-Zentrum erschienen.

Die Propaganda in den russländischen Medien, wie wir sie kennen, hat sich im März-April 2014 endgültig formiert. Zwei Jahre später kann man feststellen; sie hat die Umwelt nicht verändert, darauf waren ihre Bemühungen gerichtet. Für den „angenommenen“ Westen, in dem die Kultur des Pluralismus existiert, blieb sogar die radikale Rhetorik nur eine „Meinung“, nicht mehr. In Russland führte die Propaganda während der Monopolisierung der Massenmedien, Fernsehens und Radios zu einem Seiteneffekt - der Beunruhigung der Bevölkerung.

Es gibt eine verbreitete Meinung, dass die Propagandamacher das alles „für Geld machen“, weil man „es ihnen gesagt hat“. Das ist bei Weitem nicht so. Ohne ihren selbstlosen Einsatz wäre der Effekt der Propaganda nicht so geschehen. Sie sind die Erhitzer der Emotionen, ständig erhöhen sie die Temperatur. Die Struktur der Propaganda erinnert an eine Pyramide ohne Spitze, auf dem höchsten Platz befinden sich die Adepten, die Meinungsbilder; dabei ist es eine kleine Abteilung von Fernseh- und Radiomoderatoren, als auch die permanenten Experten (40-50 Personen), die von einem Sender auf den anderen migrieren. Sie senden und formieren ein eigenartiges System der Werte - oder eher Antiwerte (denn Propaganda behauptet nicht nur eigene Werte, sondern verneint „die anderen“). Das sind Vertreter der humanitären Sphäre (Historiker, Philosophen, Künstler), als auch Politologen, die Institute, Zentren und Stiftungen in deren Namen die Wörter „Geopolitik“, „Forschung“ und „Analyse“ vorkommen, leiten.

Alle diese Leute eint die allgemeine Unzufriedenheit in Bezug auf die existierende Weltordnung. In einigen Fällen kann man über Hass auf die Welt sprechen. „Wir befinden uns so viele Jahre im Zustand des atomaren Gleichgewichts. Sagen Sie wird diese Waffe jemals eingesetzt?“ - interessiert sich regelmässig der Moderator auf dem Radiosender RSN bei dem Experten. In der Konstruktion dieser Frage liest sich der verdeckte Wunsch; ein Psychologe würde es den Wunsch nach Selbstvernichtung nennen, der sogar den Gefühl des Selbsterhalts überwindet.

Die Sprache mit zahlreichen Verwendung von Jargon („niederbückten“, „durchdrückten“, „wir haben sie erledigt“, „sollen sich abwischen“), archaische Vorstellungen über die Welt, die Verneinung der Moderne - es ist ein Gefühl als ob die letzten 20 Jahre diese Leute in einem lethargischen Traum verbrachten, sie sind von den globalen Veränderungen auf der Welt unberührt geblieben. Ihr Verhalten und ihre Sprache - das Ergebnis einer längeren Existenz in geschlossener, homogenen Umgebung, das Ergebnis eines „Silodenkens“ (eine Terminologie aus dem XIX Jahrhundert, die eine schwache Integration der Mikrogemeinschaft in die Umwelt bedeutet). Bis zum Jahr 2014 befanden sie sich in einem intellektuellen Vakuum - im Zustand des dostojewsken „Untergrundes“ oder sagen wir „Raucherzimmers“. Abgeschlossene Umwelt gebiert ein utopisches Einverständnis, belohnt und bewahrt die wahnsinnigsten Weltansichten. Gerechterweise muss man sagen, dass die Demokratie der 1990-er Jahre ihnen keine Kommunikationskanäle und Adaptionsmöglichkeiten zur Verfügung stellte. Dazu kam die totale Verarmung der sowjetischen intellektuellen Schicht in denselben 1990-ern; der Verlust des Einkommens, der sozialen Leistungen verwandelte in ihren Augen die Demokratie sehr schnell in die Schuldige aller ihrer Missstände (obwohl viele von ihnen sie in den 1980-ern begrüßten). Selbst als sie die Welt gesehen haben (fast alle von ihnen arbeiteten, machten Urlaub und lebten sogar lange im Westen), haben sie seine Werte nicht angenommen, verneinten sie. Beispielhaft ist ihr besonderer Hass auf den Begriff „Toleranz“: wahrscheinlich war sie, oder genauer gesagt ihr Fehlen, das Hindernis für die Integration in die „Welt“.

Die sowjetische Ideologie, die ihr Bewusstsein formierte (die Mehrheit der Fernsehexperten sind älter als 45 Jahre), stützte sich auf die marxistisch-leninistische Philosophie. In den 1980-er Jahren stellte sie ein System von Gegensätzen dar: mit Himmel und Hölle, mit hellen und dunklen Seiten, die dem Verständnis von Gut und Böse, Wahrheit und Lüge entsprachen. Doch das wichtigste war, es war ein widerspruchsfreies, durchdachtes, hermetisches Weltbild: da gab es keine Ungereimtheiten. Jeder Fakt oder Geschehen auf der Welt nahmen die dafür vorgesehene Positionen im Wertekoordinatensystem ein, mit Bezug auf das Ganze, mit einheitlicher Konzeption. Erinnern wir uns: selbst die Geschichte des antiken Griechenlands oder Roms in den sowjetischen Schulbüchern wurde von den Positionen des Klassenkampfes interpretiert. Die Ideologie stützte sich auf Internationalismus (der als Idee viel breiter als Nationalismus ist). Noch ein Vorteil der sowjetischen Ideologie war das Vorhandensein eines Bilds der Zukunft: jedes damalige „Heute“ wurde auf das kommunistische „Morgen“ projiziert. Das System wurde auch in der sprachlichen Hinsicht durchdacht, sie hat keine eigenen Inhalte geduldet. Für die Bezeichnung der Feinde gab es feste phraseologische Konstrukte, alle erinnern sich an „israelische Kriegstreiber“ oder der „aggressive Block NATO“. Das war die Grenze, hinter die ein politischer Kommentator nicht hinaus durfte. Die Begriffe „Faschisten“ oder „Junta“ wurden im Bezug auf die Feinde auch gebraucht, doch in bestimmten, fast terminologisch bestimmten Fällen - zum Beispiel im Bezug auf den Umsturz durch Pinochet oder den Ungarnaufstand 1956, nicht so emotional wie heutzutage.

Die heutige Ideologie, wie man sie auch nicht nennen und formulieren würde, hat nicht mal den hundertsten Teil von der strikten Konzeption: ganz zu schweigen von der philosophischen Basis und dem Bild der Zukunft. Die allgemeinen Vorgaben werden nur konturenhaft vorgegeben und betreffen nur das aktuelle Thema. Die inhaltlichen Leeren müssen die Propagandisten selbstständig ausfüllen, das ist der Hauptunterschied zwischen der sowjetischen und jetzigen Propaganda (diese Idee äusserte Maria Lipman). Jeder Propagandist versucht das System der Gegensätze manuell aufzubauen, er stellt aus Teilen der verschiedenen und sich widersprechenden Mythen eine eigene Konstruktion her. Die Rahmen des Staatsauftrags werden nach eigenem Gusto ausgefüllt: das ist eine Mischung aus sowjetischen und imperialen Mythen und Verschwörungstheorien, äusserst linken Gedanken mit äusserst rechten. Das ist das Ergebnis von „unsystematischem Lesen“, einer Populärbildung: es ist einfacher sich dessen bewusst zu werden, wenn man sich den Büchermarkt in den 1990-ern vorstellt, wo neben Kamasutra, ein Groschenheft und etwas unter dem Titel „Die geheime Waffe Amerikas. Wer zerstörte UdSSR“ stehen.

Die Widersprüchlichkeit der eigenen Konstruktionen wird mit Hilfe der Sprache aufgelöst, deswegen ist diese Sprache so aggressiv. Das Fehlen von durchdachtem Weltbild zwingt die Aufmerksamkeit auf die Sprache, die Emotionen zu lenken und nicht auf den Sinn. Deswegen ist die heutige Propaganda, im Gegensatz zu der sowjetischen, in erster Linie ein linguistischer Phänomen. Das ist in erster Linie ein sprachlicher Zirkus, Schaumschlägerei und Angeberei. Hate speech ist das einzige Mittel ideelle Leere zu füllen. Für die Journalisten der staatlichen Massenmedien ist die sprachliche Aggression die Kompensation für die Beschränkungen durch die Zensur.

Den Westen bestrafen, den Westen retten

Die Adepten der Propaganda sind vom gleichen psychologischen Typ - autoritär, „kraftmeierisch“. Doch ist ihr jetziger Militarismus hauptsächlich „emotional“, er ist nicht der Grund, sondern die Folge. Das ist die Reaktion auf den Verlust des einfachen, hermetischen Weltbildes. Nachdem man das die absolute Wahrheit (die sowjetische Ideologie) verloren hat, haben sie sich instinktiv dem Archaischen zugewandt und fanden als einen Wert der absoluten Wahrheit, einer Stütze - den Krieg. „Das Gute ist nur der Krieg“, so schrieb der Dichter Lev Losev. Ihre Sprache maskiert sich als „Gedenken an die Heldentaten“, doch tatsächlich klammern sie sich nur an den „Krieg an sich“, als psychologische Stütze. Ihr Militarismus ist eine nackte Schaumschlägerei, das Angeben mit der „Körpermasse“: „Wir können euch zertreten“, „wir können’s wiederholen“ (gemeint ist der Sieg über Nazideutschland, Anm. des Übersetzers). Doch wozu, aus welcher Motivation heraus?.. Es gibt keine Antwort. Das ist die Achillessehne der Propaganda: ihre Adepten haben tatsächlich gar keine Ideologie, ausser dem Wunsch „die Welt einfacher zu machen“, „so wie früher“ zurückzubringen und auch „es mal allen zeigen, damit sie es wissen“.

Im Falle der 20-30-jährigen Adepten der Propaganda, deren Adoleszenz in den 1990-ern Jahren passierte, hier arbeitet, so furchtbar es auch ist, derselbe Mechanismus der Kompensation: Das Fehlen der Sicherheit im heutigen Tag zwingt es sie die Stütze in der Vergangenheit zu suchen. Das Unwissen über die sowjetische Realität macht sie in ihren Augen umso anziehender: sie leben in der Vorstellung des „himmlischen UdSSR“, den sie nur in der schönen Verpackung der Filme und Serien kennen.

Das alles zusammen ist eine traumatische Reaktion auf die Überlegenheit des „Westens“ nach dem Zerfall des Ostblocks und das Entstehen der EU. Als auch das Unvermögen einen Sinn in einem „friedlichen Leben“ und Kapitalismus zu finden. Der Unwille diesen Fakt anzuerkennen, gebiert ein komplexes System der Selbstbeweihräucherung. Versuchen wir es zu rekonstruieren. [Der gemeine Propagandist, sich an das gemeine „Westen“ wendend]: „Ihr habt in der technischen Richtung irgendwas erreicht, das erkennen wir an. Doch ist Euere ganze Welt nur bis zum Antreffen der ersten richtigen Gefahr lebensfähig (es ist typisch, dass die „Gefahr“ in ihrer Vorstellung die „Lebensnormalität“ darstellt). Und dann seht ihr, dass wir besser an das Leben in der grausamen Welt angepasst sind. Und dann werdet ihr uns selbst um die Hilfe bitten, und dann werden wir selbstverständlich die Welt noch einmal retten“.

Im Kern dieser Konstruktion, liegt, wie wir sehen, nicht der Wunsch den „Westen zu bestrafen“, sondern umgekehrt der Wunsch ihn zu „retten“, um die Existenzberechtigung der Welt gegenüber zu beweisen und gleichzeitig das „Unvermögen des Westens“. Hier kommt ein eigenartiger Idealismus hervor, der Wunsch sich von der besten und nicht der schlechtesten Seite zu zeigen. Doch, wie es häufig mit idealen Konstruktionen der Fall ist, stimmen sie nicht mit der Wirklichkeit überein. Der „Westen“ und die „Welt“ möchten gar nicht in der Gefahrensituation leben (selbst wenn man die realen Gefahren berücksichtigt), sie möchten nicht „überleben“, „sich konzentrieren“, „mobilisieren“ und „gerettet werden“. Damit rufen sie Ärger hervor: denn sie erlauben es „uns“ nicht, unsere besten Eigenschaften zu zeigen. Daraus folgt eine künstliche Zuspitzung dieser Gefahr, daraus ergibt sich der ständige Gerede über den Krieg: Damit die gefährliche Situation sich materialisiert - damit man aus ihr auch „retten“ kann.

So hat sich die Propaganda selbst in eine Falle gelockt: Die Idee der Überlegenheit Russlands hängt direkt vom „Zerfall des Westens“ ab. Für die Bestätigung diesen Zerfalls und noch allgemeiner, den Zerfall der Demokratie, muss man ständig nach Beweisen suchen. Terror, Flüchtlinge oder einfach nur Schneefall im Staat Virginia werden zu „Beginn des Zerfalls der westlichen Zivilisation“ erklärt. Die Demokratie wird zu einer kindlichen Verirrung, temporärem geistigen Unvermögen der Menschheit erklärt, denn sie „stört“ mit ihrer „Schwäche“ unsere Reife, Tapferkeit und Durchhaltevermögen zu demonstrieren.

Dies ist das Ergebnis der Enttäuschung, vor allem in sich selbst und der Gemeinschaft, die es nicht schaffte, die Vorteile der Freiheit in den 1990-ern zu nutzen. Daraus wurde die Verneinung von Subjektivität, des individuellen politischen Willens, der Unglaube in die Selbstständigkeit der menschlichen Aktivitäten überhaupt. Das eigene Unvermögen erzeugte den Unglauben in die Subjektivität von anderen.

Geschichtskult und der neue Stalinkult

Wenn man keine gute Begründungen in der Moderne hat, sucht man sie in der Vergangenheit. Neben dem Krieg hat die „Geschichte“ einen ähnlichen Stellenwert (obgleich es ein verzweifelter Versuch ist, sich an etwas Festem abzustützen). Die Dauer und die Unveränderlichkeit der Geschichte ist ein selbstgenügsamer Argument: „wir sind älter, wir sind mehr - deswegen sind wir immer im Recht“. Der Unwille sich zu ändern ist auch selbstgenügsam. Die Trägheit, der Konservatismus, die Unbeweglichkeit der Gesellschaft werden als Vorteile deklariert und nicht als Nachteil.

In den 1990-ern standen die sowjetischen und imperialen Mythen im Widerspruch zueinander. Der Mythos über dem vorrevolutionären Russland wurde als Gegensatz zu dem Sowjetrussland dargestellt (wie in dem Film von Govoruchin „Das Russland, das wir verloren haben“). Dann geschah ihre Symbiose. Eigentlich ist es recht schwer „weiss“ und „rot“ miteinander zu verbinden. Doch eine dialektische Lösung wurde gefunden - durch den Ausschluss der Ethik als des Kriteriums bei der Bewertung des politischen Regimes. Wenn als höchster Wert nicht der Mensch, sondern der Staat erklärt wird, werden alle Opfer im Endeffekt gerechtfertigt.

Der neue Stalinkult entstand nicht zufällig (die Erwähnung seines Namens und Vatersnamens in den Reden der Propagandisten ist heutzutage ein sonderbarer Code, um zu erkennen, wer eigen und wer fremd ist), nicht aus Laune seiner Adepten wie Prochanov, doch aus ganz rationalen Gründen. Denn nur er ist die am besten sich eignende Figur für die dialektische Vereinigung der weissen und der roten Ideen. Laut dieser neuen Konstruktion hat „Lenin das Imperium zerstört“, Stalin hat es wiedererschaffen - als ein rotes Imperium. Stalin ist heute die Vereinigungsmenge des zaristischen Projektes und des sowjetischen. „Das Dienen dem Staat“ wird als die einzige Ethik anerkannt, alle anderen Ethiken sind zweitrangig. Hier sind die Worte des Patriarchen (6. November 2015, Auftritt bei der Eröffnung des Forums „Orthodoxes Russland“): „Die Erfolge des einen oder anderen Staatenlenkers, der an der Quelle des Wiedergeburts und der Modernisierung des Landes stand, kann man nicht anzweifeln, selbst wenn der Lenker durch Verbrechen sich hervortat.“ Verbrechen und ökonomische Erfolge werden demzufolge gleich bewertet. „Sonst hätten wir nicht gewonnen, sonst wäre die Industrialisierung unmöglich gewesen, ohne Opfer ginge es nicht, in der Politik gibt es keine Moral, damals hat man überall Leute erschossen“, so rechtfertigt man die Repressionen.

Der Monolog des verlassenen Ehemannes

Die Hauptthesis der Propaganda über die „ewige Konfrontation“ des Westens mit Russland stützt sich auf den Konservatismus des XIX Jahrhunderts im Geiste des Historikers Danilievski und das sowjetische Model „Konfrontation zweier Systeme“: daraus entstand die synthetisierte These: „Der Westen wollte uns schon immer vernichten, wir haben immer gegen den Westen gekämpft“. Es ist jetzt schwer daran zu glauben, aber in der Antiwestlichkeit spricht eher Eifersucht als Hass. Rekonstruieren wir wieder den inneren Monolog des Propagandisten. [Sich an das gemeine Europa wendend]: „Wir dachten, dass Du uns liebst, wir kauften Deine Autos und Häuser, wir verschwendeten Geld; und Du hast uns trotzdem nicht wertgeschätzt, hast uns verlassen, verraten“. Die Kränkung und der Wunsch zu Erniedrigen, Sarkasmus und Schadenfreude - das alles erinnert an die Sprache einen verlassenen Ehegatten, den Stil der neurussischen Trennungen der 1990er - 2000er, den Versuch sich an der Ehefrau mit Hilfe von administrativen Hebeln zu rächen. Jetzt ist in der Rolle der „Ehefrau“ der gesamte Westen.

In den zwanzig Jahren des dostojewsken Untergrunds haben die Leute aus diesen Kreisen einen wichtigen Bestandteil der neuen Welt verpasst: Die Kultur des Dialogs, Zusammenarbeit, Kommunikation als den wichtigsten Faktors der Moderne. Kommunikation, das ist nicht reden, so schreibt Habermas, sondern „auf den anderen warten“. Die Dialoge der Propagandisten in den Talkshows geben nur vor Dialoge zu sein: diese Rede mutet sich archaisch hauptsächlich deshalb an, weil deren Autoren es nicht vorhaben „zu reden“, nicht mal miteinander: sie wollen bestrafen, züchtigen mit Hilfe von Wörtern. Sie finden ein Dialog ist eine schändliche Tat, eine Schwäche, sie finden es unter ihrer Würde selbst den Versuch eine gemeinsame Sprache zu finden. Dort feiert heute der „Kult der Strasse“ fröhliche Urstände, den die Propagandisten sich selbst künstlich aneignen, um der allgemeinen Mode zu entsprechen. „Wir haben solche Schwächlinge, wie ich mich erinnere, auf der Strasse gejagt“ - so spricht der Politologe Satanowskij über die heutige Führung des ökonomischen Blocks, die man als die „fünfte Kolonne“ in dem Machtzirkel betrachtet. Das archaische Bewusstsein läßt keinen Gedanken an die Akzeptanz etwas anderen zu. Die Schadenfreude und Sarkasmus zum anderen ist das Ergebnis des verunglückten Versuchs in ein Dialog mit einem anderen zu treten. Doch auch auf der gegenüberliegenden Seite, in den engen Rahmen, die geblieben sind, ist die Fähigkeit sich zu öffnen nicht immer erkennbar, doch das ist ein anderes Thema.

Propaganda sieht deswegen so erschreckend archaisch, die Werte nicht nur der Nachkriegszeit, sondern der gesamten Ära der Aufklärung verneinend, aus, weil jeder Teilnehmer sie mit seinen eigenen, noch archaischeren Vorstellungen über die Welt füllt. Tatsächlich ist das kein Angriff, sondern Verteidigung, vor allem sich selbst, vor der Welt. Das ist das Ergebnis der aufgesparten, nicht gelösten ethischen und weltanschauenden Probleme des posttotalitären Bewusstseins. Ihre Phobien und Ängste teilen sie jetzt mit uns, in ihren endlosen Sendungen und Shows. Faktisch haben wir es mit unterbrechungsloser Offenbarung zu tun, gleichzeitig auf zehn Krankenbetten, jeden Tag, 24 Stunden lang. Propagandisten erzählen uns nicht über die anderen - Amerika und den Westen - sondern über sich selbst, sie machen uns mit ihren eigenen „Abgründen“ bekannt.

Ihre Rede ist ein unterbewusster Versuch zuerst ihre eigenen Dämonen auszutreiben. Unsere Beunruhigung ist zuallererst die Folge ihrer Unruhe. Aus dieser Sicht heraus sind es nicht wir, sondern sie, so paradoxal das auch heute klingen mag, die Opfer der Propaganda.

Sonntag, Dezember 11, 2016

Das Ende des Honeymoons

Kaum erkläre ich meine Liebe zu der estnischen Präsidentin Kersti Kaljulaid, gleich wird sie auf eine harte Probe gestellt. Zwei Konferenzen fanden diese Woche in Estland statt, eine wurde von der Stiftung „Offenes Russland“ von Mikhail Chodorkowski organisiert. Dabei wurden die besten unabhängigen Journalisten Russlands ausgezeichnet. Allen Chodorkowski-Unterstützern im nahen russischen Ausland kann ich nur folgendes Video ans Herz legen, das einen Tag nach der Entlassung Chodorkowskis aus dem russischen Lager in Berlin aufgezeichnet wurde.

Hier spricht er darüber, dass falls Nordkaukasus sich jemals für unabhängig erklären sollte, er selbst eine Waffe in die Hand nehmen und in den Krieg auf seite Russlands ziehen wird, denn alle Regionen auf der Welt sind durch Kriegshandlungen besetzt worden und Kaukasus ist durch Russland besetzt und eingegliedert. Er verneint die Frage, ob er ein Imperialist wäre, sagt aber, dass er ein Nationalist sei. Sollte Chodorkowski eines Tages eine wichtige Rolle in Russland spielen (das Programm des Offenen Russlands besteht darin für den Tag X zu planen, wenn Putin endlich abtritt), bezweifle ich, dass Beziehungen zwischen Estland stellvertretend für den Westen und Russland sich zu freundschaftlichen entwickeln werden.

Die andere Konferenz zur der Chodorkowski als Ehrengast eingeladen wurde, wurde von dem estnischen Institut für Menschenrechte organisiert und findet schon zum sechsten Mal unter der Ägide des estnischen Präsidenten immer am Tag der Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember statt. Die Konferenz wurde schon häufiger kritisiert, der Leiter der veranstaltenden Organization Nationalist und Russophob Mart Nutt weigert sich anzuerkennen, dass es Menschenrechtsverletzungen auch in Estland gibt, die russischen Menschenrechtler werden erst gar nicht eingeladen oder es werden ihnen Aufpasser zur Seite gestellt, es sei denn man heisst Chodorkowski. Mit einem Wort hat so eine Konferenz mit Menschenrechten ungefähr so viel zu tun, als wenn man den Chefredakteur der Zeitschrift Beef mit der Organization einen Veganer-Kongresses betraut hätte, es geht zweifellos um Nahrung, hat aber sonst nichts mehr miteinander zu tun. Das Thema der Konferenz waren Migration und Propaganda und ich dachte ich sehe nicht recht, als der eingeladene Speaker zum Thema Migration der alte Flüchtlingsexperte Thilo Sarrazin war. Diesmal waren nicht die niedrigen geistigen Fähigkeiten der Migranten sein Kernthema, sondern die Aussage, dass Koran veraltert wäre und der modernen Welt nicht mehr entspricht. Aber die Regierungen ziehen es vor ihre Komfortzone nicht zu verlassen und keine Aufmerksamkeit zu schenken. Als Ergebnis wenden sich die Bürger von ihnen ab und stimmen für Brexit und Trump. Also klassischer AfD-Populismus. Das Kersti Kajlulaid ihren (noch) guten Namen für so eine Konferenz hergibt, halte ich für einen schweren Fehler.

Kersti Kaljulaid hat während ihrer Rede den Beschluss von einem Gesetz mit dem komplizierten Namen „The elaboration of the Law on the Amendment of the Obligation to Leave and the Prohibition on Entry Act was a response, on the one hand, to the deterioration of the international security situation and, above all, the elevated terrorism threat“ erklärt, das auch vom estnischen Parlament verabschiedet wurde. Der Sinn des Gesetzes ist es die sogenannte Magnitski-Liste umzusetzen, also den Leuten, die den Tod von Sergej Magnitski verursacht haben, also hauptsächlich Mitglieder der russischen Polizei, Staatsanwaltschaft und Geheimdienst, die Einreise nach Estland zu verweigern. Grundsätzlich ist gegen dieses Gesetz nichts einzuwenden, aber warum dieser Gesetz Bekämpfung des Terrorismus im Namen hat, wurde leider nicht gefragt.